Bewertung der Abdriftreduzierung von Düsen

In mehreren Ländern Europas hat die Bewertung von Düsen zur Abdriftreduzierung inzwischen einen sehr hohen Stellenwert und ermöglicht das weitgehende Miteinander von landwirtschaftlicher Produktion und Natur- bzw. Umweltschutz. Während die Prüfung der Querverteilung vor mehreren Jahrzehnten ihren Ursprung hatte, wurden hinsichtlich der Abdriftreduzierung in den 80- und 90er Jahren erste Bewertungskriterien zur Vermeidung von Abdrift bei der Applikation von Pflanzenschutzmitteln definiert. Kennzeichnend war, dass der Feintropfenanteil (Dv0.1) von Düsen einen definierten Mindestwert übersteigen sollte. Zusammen mit der Entwicklung von TeeJet LP-/XR-Düsen und der ersten Generation abdriftmindernder Düsen (TeeJet DG) wurden wichtige Fortschritte in der Pflanzenschutztechnik erzielt, die jedoch nicht ausreichten, um den ständig verschärften Umweltauflagen bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln zu genügen. So waren es insbesondere die steigenden Abstandsauflagen zu Gewässern und Saumbiotopen, die ein System zur Bewertung der Abdriftminderung von Düsen, aber auch weitere Neuentwicklungen grobtropfiger spritzender Düsen zur Folge hatten. Während die Entwicklung der Düsen im Kapitel „Ursachen der Abdrift – Möglichkeiten und Maßnahmen zur Abdriftreduzierung“ beschrieben ist, stehen nachfolgend die Systeme zur Bewertung der Abdriftreduzierung im Vordergrund.

Bewertungssysteme zur Abdriftreduzierung in Europa

Diese Systeme zur Messung der Abdriftreduzierung in Ländern wie z.B. in England, den Niederlanden und Deutschland sind nicht einheitlich. Den Systemen gemeinsam ist, dass als Referenzdüse die im BCPC-Tropfengrö-ßenschema definierte 03er Düse bei einem Druck von 3.0 bar und jeweils 50 cm über der Zielfläche bzw. der Messebene herangezogen wird. Deren Abdrift wird als 100% gesetzt und dazu entsprechend die Abdriftreduzierung anderer Düsentypen bei der jeweiligen Druckstufe in Bezug gebracht wird. Eine Düse mit der Einstufung 50% hat mindestens 50% weniger Abdrift als die Referenzdüse. Entsprechend sind in den genannten Ländern prozentuale Abdriftminderungsklassen gebildet worden, die jedoch teilweise etwas voneinander abweichen und eben nationale Gültigkeit besitzen. Während in Deutschland die Abdriftminderungsklassen 50/75/90/99% gelten, sind es in den Niederlanden 50/75/90/95% und in England 25/50/75%. Desweiteren kann es Fakt sein, dass gleicher Düsentyp und -größe bei gleichem Druck z.B. in Land A in der 50%-Klasse und in Land B in der 75%-Klasse eingestuft ist. Grund sind die unterschiedlichen Messverfahren und Datenverrechnungen, und so bleibt zu hoffen, dass es mit den anstehenden EU-Harmonisierungen in den nächsten Jahren hier zu einer internationalen Vereinheitlichung kommt. So ist TeeJet derzeit gezwungen, in jedem dieser Länder neu entwickelte abdriftmindernde Düsen untersuchen und bewerten zu lassen, damit die landwirtschaftliche Praxis den technischen Fortschritt nachweislich anwenden kann bei Vermeidung jeglicher Konflikte mit dem Gesetzgeber.

System in Deutschland

In Deutschland werden unter Federführung der BBA Düsen für den Ackerbau bei Abdriftmessungen im Feld unter weitestgehend standardisierten Bedingungen für Temperatur, Windrichtung und –geschwindigkeit sowie Fahrgeschwindigkeit untersucht. Dies gilt zwingend für Gebläsesprühgeräte und deren Einfluss auf die Düsen, die in Raumkulturen wie z.B. dem Obst- und Weinbau zum Einsatz kommen. Aufgrund der über viele Jahre erhaltenen Messwerte aus dem Feld und der hohen Korrelation mit Messungen im klimatisierten Windkanal sind für den Bereich der Düsen im Ackerbau auch Abdriftmessungen unter absolut standardisierten Bedingungen im Windkanal bei der BBA möglich. In allen Fällen werden Tracermethoden angewendet, um die verdrifteten Tröpfchen mit einer hohen Nachweisgrenze auf künstlichen Probenehmern zu quantifizieren und in einem sogen. DIX-Modell zu verrechnen. Daraus ergeben sich DIX-Werte, die wiederum in den Einstufungen in die prozentualen Abdriftminderungsklassen resultieren.

System in England

In England ist bislang nur ein Bewertungssystem für Düsen im Ackerbau etabliert worden. Dabei werden unter Federführung des Pesticide Safety Directorate (PSD) die ebenfalls im Windkanal – im Unterschied zur BBA wer-den verdriftete Tröpfchen auf horizontal ausgelegten Probenehmern erfasst – gewonnenen Daten verrechnet. Die klimatischen Umgebungsbedingungen sind dabei auch vorgegeben. Aus dem Vergleich zur BCPC-Referenzdüse ergibt sich die prozentuale Einstufung mit 25/50/75%, die als markantes Zeichen bezogen auf die gleiche Reihenfolge der Pro-zentwerte auch mit 1-Stern, 2-Sternen und 3-Sternen bewertet wird.

System in den Niederlanden

Während es in den Niederlanden ein Bewertungssystem für Düsen im Ackerbau schon seit mehreren Jahren gibt (Lozingenbesluit Open Teelt en Veehouderij/Wasserschutzgesetz für Landwirtschaft und Viehhaltung), steht die Einführung eines Systems für Düsen im Obstbau bevor. Messungen werden von Agrotechnology & Food Innovations B.V. (Wageningen UR) durchgeführt. Dabei werden mittels Phase-Doppler-Particle-Analyser (PDPA-Laser) die Tropfen einer Düse mit den Kenngrößen des Dv0.1, MVD, Dv0.9, Volumenanteil <100µm und Tropfengeschwindigkeit untersucht und mit dem IDEFICS-Modell verrechnet. Es werden eine Referenzkultur und –stadium, eine Pufferzone im Feld, Fahrgeschwindigkeit und definierte Wettersituation in der Kalkulation mitberücksichtigt, woraus sich die prozentuale Einstufung einer Düse beim jeweiligen untersuchten Spritzdruck ergibt. Die Zulassungbehörden wie CTB (75/90/95%) und RIZA (50%) veröffentlichen die Einstufungen. 

Vorteile und Möglichkeiten für den Anwender

Für den Anwender ergeben sich in allen genannten Ländern – aber nicht nur dort – bei Verwendung der abdriftmindernd eingestuften Düsen entscheidende Vorteile. Je nach Lage der Felder zu empfindlichen Bereichen wie Gewässern und Saumstrukturen/Biotopen können die mit der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln verbundenen Anwendungsbeschrän-kungen, also Abstandsauflagen von z.B. 20 m („Nichtspritzen“), vermindert werden, de facto wird der Abstand zum Gewässer usw. kleiner. Dadurch kann der Pflanzenschutz auf diesen Feldstreifen zu Gewässern usw. mit auflagenbehafteten Pflanzenschutzmitteln durchgeführt werden, jedoch muss der Anwender die Anwendungsbestimmungen im jeweiligen Land einhalten, die dafür vorgegeben sind. Wenn z.B. in der Gebrauchsanweisung eines Mittels eine Abdriftminderung von 75% verlangt wird, ist unter Berücksichtigung von Trägerstoffmenge und Fahrgeschwindigkeit eine bestimmte mit 75% Abdriftminderung klassifizierte Düse mit dem jeweils spezifizierten Spritzdruck zu fahren. In aller Regel wird dazu auch die Fahrgeschwindig-keit reduziert, so dass außerhalb der Randbereiche, also im inneren Bereich des Feldes mit der gleichen Düse bei höherer Fahrgeschwindigkeit und dem optimalen Druck gefahren werden kann. Die Trägerstoffmenge kann somit in den verschiedenen Situationen konstant bleiben. Da national auch sogen. Mindestabstände in allen Anwendungssituationen definiert sein können, sind diese natürlich im spezifischen Fall immer zu berücksichtigen. Generell sind aus der Sicht des pflanzenschutzlichen Erfolges jeder Maßnahme Düsen mit Drücken für die hochprozentigen Einstufungen von 75% und höher nur im Fall von Abstandsauflagen zu betreiben, ansonsten wird empfohlen, die Düsen mit einem Spritzdruck einzusetzen, bei dem 50% Abdriftminderung erzielt werden oder keine prozentuale Einstufung vorliegt. Über die abdriftmindernden Einstufungen von TeeJet-Düsen informiert Sie gern das zuständige TeeJet-Beratungsbüro.

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